Wenn Stillen weh tut – Ursachen verstehen und Lösungen finden
- Vanessa Löwe
- 6. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Schmerzen beim Stillen – was tun, wenn es einfach nicht besser wird?
In einem meiner Kurse erzählte mir kürzlich eine Mutter, dass sie seit Wochen unter starken Schmerzen beim Stillen leidet. Die Anlegetechnik sei laut Stillberaterin gut, das Baby sauge effektiv, äußerlich sei nichts Auffälliges zu sehen – und trotzdem seien die Schmerzen dauerhaft, brennend, stechend, kaum auszuhalten.
Solche Situationen sind belastend. Und sie sind häufiger, als man denkt.
Stillen darf anfangs sensibel sein. Gerade in den ersten Tagen oder zwei Wochen können Spannungsgefühle, empfindliche Brustwarzen oder Anpassungsschmerzen auftreten. Doch wenn die Schmerzen anhalten, stärker werden oder sich verändern, sollte genauer hingeschaut werden.
Mögliche Ursachen für Schmerzen beim Stillen
1. Anlegetechnik überprüfen
Auch wenn es „gut aussieht“, lohnt sich eine erneute, sehr genaue Beobachtung durch eine erfahrene Stillberaterin oder Hebamme. Kleine Details können entscheidend sein.
2. Saugverhalten des Babys
Manche Babys haben ein verkürztes Zungenband oder eine eingeschränkte Mundmotorik. Das kann zu dauerhafter Reibung und Mikroverletzungen führen, die von außen kaum sichtbar sind. Hier kann eine Abklärung beim Kinderarzt oder einer spezialisierten Fachperson sinnvoll sein.
3. Pilzinfektion (Soor)
Nicht immer sind weiße Beläge sichtbar. Ein brennender, stechender Schmerz, der auch zwischen den Stillmahlzeiten auftritt, kann ein Hinweis sein. Bei Verdacht sollte sowohl die Mutter als auch das Baby mitbehandelt werden.
4. Vasospasmus
Wenn die Brustwarze nach dem Stillen weiß wird und starke, stechende Schmerzen auftreten, kann eine Durchblutungsstörung vorliegen. Wärme nach dem Stillen kann hier helfen.
5. Allergische Reaktionen auf Pflegeprodukte
Lanolinhaltige Cremes werden häufig empfohlen, können jedoch bei empfindlichen Frauen eine allergische Reaktion auslösen. Die Brustwarzen sind dann sehr gerötet, brennend und dauerhaft schmerzhaft. In solchen Fällen hilft es, das Produkt abzusetzen und stattdessen auf reine Öle oder vegane Alternativen zurückzugreifen.
Was zusätzlich helfen kann
Wollkompressen aus Schafwolle
Medizinisch gereinigte Wollwatte oder spezielle Wollkompressen können nach dem Stillen direkt in den BH gelegt werden. Sie wirken temperaturausgleichend, entzündungshemmend und beruhigend. Viele Mütter berichten, dass sich die Brustwarzen dadurch schneller regenerieren. Wichtig ist, nur hochwertige, unbehandelte Wolle zu verwenden.
Stillhütchen bei sehr kurzen oder empfindlichen Brustwarzen
Manchmal sind die Brustwarzen sehr klein, flach oder kurz, sodass das Baby Schwierigkeiten hat, ausreichend Gewebe zu erfassen. In solchen Fällen können Stillhütchen eine vorübergehende Erleichterung bringen. Ich empfehle hier häufig die dünnen Silikonhütchen von Medela, da sie flexibel sind und das Stillgefühl möglichst wenig verändern. Wichtig ist jedoch, die Anwendung mit einer Fachperson zu besprechen, damit das Baby weiterhin effektiv trinkt.
Luft und Ruhe
Nach dem Stillen die Brust an der Luft trocknen lassen. Zu viel Feuchtigkeit im BH kann die Haut zusätzlich reizen.
Stillen sollte keine dauerhafte Qual sein. Es darf anstrengend sein, ja. Aber extreme Schmerzen sind kein Zustand, den man einfach akzeptieren muss.
Wenn Mütter in meinen Kursen von solchen Erfahrungen berichten, ermutige ich sie immer, sich Unterstützung zu holen. Niemand muss alleine durch diese Phase gehen.
Bei Zuerichbabies begleite ich Mütter in den ersten Wochen nach der Geburt, in entwicklungsbegleitenden Kursen oder in der individuellen Betreuung. Manchmal hilft schon ein Gespräch, manchmal braucht es eine medizinische Abklärung. Wichtig ist: Du bist nicht allein.
Herzlich
Vanessa
Zuerichbabies



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